Autoren: Dr. Gerd Friese und Nico Thiemer

Dies ist der vierte Artikel in der Serie „Acht Thesen zur digitalen Transformation“. Die dritte These lautete, dass die Jugend mit ins Boot geholt werden muss.

These 3: Jugend mit ins Boot holen und von ihnen lernen

„Wenn wir heute über Netzwerke reden und Vernetzung propagieren, dann denken wir dabei nicht an ein Treffen auf dem Golfplatz oder an den Stammtisch in der Kneipe um die Ecke. Dass muss auch mal sein, aber erst nach der digitalen Vernetzung mittels moderner Kommunikationstools und der Bildung von dynamisch arbeitender Communities.

Doch viele gestandene Unternehmer sehen das anders. Sie erschreckt die Vorstellung, in virtuellen Räumen am digitalen Kamin Smart Contracts abzuschließen zu müssen. Aber noch schlimmer ist, dass die Angst bei Ihnen umgeht. Sie könnten ihr Gesicht verlieren wenn sie zugeben müssten nicht mehr zu verstehen, wie die Welt der Jugend heute funktioniert.

Erst wenn die Patriarchen herabgestiegen sind und auf Augenhöhe mit den Digital Natives eine Kommunikation zulassen, werden wir vorankommen.“

Dies verstehen wir unter der These 3:
Die Entwicklung geht so schnell,  dass sich das „Wissen der Generationen“ nicht mehr überschneidet. Es entstehen Lücken und Brüche im Verständnis. Teilweise geht die Semantik der Inhalte verloren, weil der Informationsfluss längst die alten Kanäle verlassen hat, die alten  Nutzer aber -aus welchen Grund auch immer- dort weiter verharren.

1.) Von welchen Netzwerken sprechen wir eigentlich?
Der eine redet von Produktionsnetzwerken im operativen Geschäft und der andere von der Wertschätzung in der Social Media Community. Der andere redet von Hierarchie und Handarbeit und sein gegenüber von agilen (Hochleistungs-)Teams und digitaler Wertschöpfung.

2.) Woher kommen diese unterschiedlichen Sichtweisen?
Zum einen gibt es einen klassischen Blick von INNEN nach AUßEN, typischerweise in der Produkterzeugung. Zum anderen eine moderne Sichtweise vom Markt in das Unternehmen. Keiner dieser Blickwinkel ist falsch, keiner ist richtig. Jeder hat seine Berechtigung, wichtig sind nur der Kontext und vor allem der Respekt vor dem jeweils anderen.

3.) Wo liegen nun die Schnittpunkte zwischen diesen beiden Welten?
Wie können diese unterschiedlichen Welten verknüpft werden? Dabei geht es um die Verknüpfung von analogen und digitalen Produkten. Und: Es gibt keine fertigen Produkte mehr, nur individualisierte Dienstleitungen.

4.) Erforderlich ist ein Neudenken der Organisation.
Ein Neudenken, was dazu führt, das Transparenz und Automatisierung die Wertschöpfung zu vervielfachen. Die neuen Marktparameter sind dabei:

  • Wer die Logistik(Plattform) beherrscht, gewinnt am Markt
  • Reichweite kommt von Vernetzung
  • Informationen bestimmen den Erfolg
  • Daten sind die neue Währung

5.) Denken in Geschäftsmodellen
Dies ist für viele „Traditionalisten“ schwer zu greifen. Produkte, welche man nicht anfassen kann. Plattformen, welche an den Benutzer nichts verkaufen und doch Milliarden verdienen. Dazu kommt, die „Digital Natives“ denken grundsätzlich in „digitalen Geschäftsmodellen“. Dies können nun beide Seiten zu ihrem Vorteil nutzen:

  • Dynamik entsteht, wenn sich die Generationen vernetzen
  • Jeder hat viel zu geben und zu gewinnen
  • Erfolg entsteht durch stetige Innovation, durch Transformation!

Fakt ist, es hat in der Geschichte bisher noch nie eine technische Entwicklung gegeben, welche auch nur annährend die jetzige Geschwindigkeit hatte. Befeuert wird dies, weil der Rohstoff der Innovation billig und überall verfügbar ist. Da ist es nachvollziehbar, dass viele sich abgehängt fühlen. Aber hier hilft kein Jammern und Klagen: Wenn man selber den Sprung nicht macht, machen es andere. Und irgendwann dann kann man  überhaupt nicht mehr springen.

Es ist eine gute Idee, in einem Unternehmen Kompetenzcenter einzurichten, welche sich um bestimmte technologische und kulturelle Entwicklungen kümmern und diese auch aufarbeiten. Diese Kompetenzcenter agieren als Schnittstelle und sollten entsprechend auch Rechte innerhalb der Organisation genießen.

Am Ende noch eine Anmerkung:
Fragt man die Chefs kleinerer mittelständischer Unternehmen, wie Sie denn über die „Digitalisierung“ ihrer Unternehmen denken, kommt in vielen Fällen eine Antwort: Wir müssen nicht digitalisieren, wir sind zu klein dazu, haben nicht die Mittel und außerdem tauschen wir uns jeden Tag intensiv miteinander aus! Wie wünschen viel Erfolg!

Hilfestellung
Damit Sie selber sehen können, wo sich Ihre Organisation befindet, beantworten sie einfach für sich die folgenden Fragen:

  1. Welche Maßnahmen haben Sie unternommen, um „Traditionalisten“ und „Digital Natives“ zusammenzuführen?
  2. Geben Sie „Digital Natives“ Raum, um diese ihre Ideen mitzuteilen.

Wir würden uns über eine rege Beteiligung zu dieser These in den Kommentaren unten freuen. Liegen wir falsch, was ist richtig? Wir sind gespannt.

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